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Imperium Europejskie

ZUR IMPERIALGESCHICHTE DES 20. JAHRHUNDERTS (TEIL 2)

02.20.16 | brak komentarzy

Tomasz Gabiś

ZUR IMPERIALGESCHICHTE DES 20. JAHRHUNDERTS (TEIL 2)

 

 

  1. Der Weg zum Imperium Europæum

 

Vor über 50 Jahren wurde die sichtbare geopolitische Existenz des Imperium Europæum von feindlichen, außereuropäischen Imperien zerschlagen. Trotzdem existierte das Imperium Europæum weiter. Seine geopolitische Existenz ist trotz der Niederwerfung nicht gestorben, sondern in einen tiefen Schlaf gefallen, so wie nach der Sage im Innern des Berges Kaiser oder Ritter schlafen. Das Imperium Europæum ist zugleich ein unbesiegbarer und unzerstörbarer Geist, den kein feindliches Imperium besiegen kann, da seine Souveränität in tieferen und höheren Sphären wurzelt als jenen einer rein geopolitischen und militärischen Macht. Der Geist des Imperium Europæum bleibt bestehen, denn ständig bleibt das Gedenken der Vergangenheit, das Gedenken an die damalige Macht und Herrlichkeit des Imperiums, an die Zeit, als es die gesamte Welt beherrschte. Solange dieses Gedenken anhält, so lange es eine wenn auch verborgene Hoffnung gibt, so lange besteht das Imperium Europæum. Es führt sein geheimnisvolles Dasein, das zum Erscheinen in der Kunst, der Literatur, der Architektur und der politischen Sphäre, in der Religion und Poesie, in der Wissenschaft und der Musik, in der Sitte, Tradition und Sprache, in den Mythen und Symbolen, in den Denkmälern und Landschaften, in Sagen, Märchen und Legenden, die die Europäer ihren Kindern weiterhin vermitteln.

Manchmal sichtbar, manchmal versteckt, hier od da verdrängt in den Untergrund durch ideologischen und politischen Druck der siegreichen Imperien, dauert das Imperium Europæum an und kämpft in den Herzen der Europäer und ihren Taten, bis der letzte Europäer gestorben sein wird. Doch damit das geistige Imperium Europæum wird aufblühen können, muß es erneut eine geopolitische Gestalt gewinnen, denn beide Sphären, die geistige und die geopolitische, durchdringen einander, regen sich an und verstärken sich, beide sind miteinander verkoppelt. Der Geist ist zwar mächtiger als die Geopolitik, denn er dauert trotz aller und allem an, keine politischen oder materiellen Umstände determinieren ihn, doch die Geopolitik gibt ihm Impetus und Größe, ermuntert ihn, Gipfel und Höhen zu erklimmen.

Nach dem Sieg über das Imperium Germanicum, nach dem Zerschlagen der sichtbaren geopolitischen Gestalt des Imperium Europæum, nach dem Ordnen der Angelegenheiten der europäischen Provinzen begannen beide siegreichen Imperien ohne Einzuhalten mit der nächsten Runde des Kampfes um die Weltherrschaft. Der Kampf wurde auf allen Ebenen ohne Atempause geführt und nahm verschiedenste Formen an. Beide Imperien benutzten alle denkbaren Mittel. Sie bedienten sich der Unterwanderung, der Erpressung, des Anheizens politischer Konflikte und der Unterstützung nationalen und ideologischen Streits auf dem Territorium des Gegners. Sie schufen gigantische Spionage- und Gegenspionageapparate, bauten ihre Agenturen überall dort aus, wo es möglich war; sie schufen, unterstützten, finanzierten und organisierten terroristische Gruppen und Volksbefreiungsbewegungen, sie setzten Staatsstreiche und politische Umstürze ins Werk, initiierten lokale Kriege, modernisierten stets ihre Armeen, verbesserten und vergrößerten ihre eigenen schrecklichen Waffen und gingen in den Kosmos, um dort den Kampf auszutragen.

Die in ihren Diensten stehenden Ideologen inspirierten die Entstehung von politischen Konzepten und ideologischen Strömungen, welche nötig waren, um die imperiale Politik zu begründen und zu verschleiern. Sie dachten sich Losungen und Ideen aus, die später in aller Welt durch immer größere und ausgefeiltere Propagandaapparate verkündet wurden. Trotzdem wurde das Ostimperium immer schwächer. Seine imperiale Formel erschöpfte sich. Diese Formel stützte sich auf eine ideologische Utopie und war zugleich doktrinär erstarrt. Mit der Zeit wurde sie immer anachronistischer und schlug sich selbst in Fesseln, was die Kontrolle über die Stellvertreter in den Provinzen und den in aller Welt verstreuten imperialen Agenturen zunehmend erschwerte. Das Ostimperium vermochte nicht, die steife Ideologie seiner imperialen Formel zu modifizieren. Es kam zu der Situation, daß die alte Formel nicht mehr imstande war, den imperialen Zwecken zu dienen, gleichzeitig gab es keine Möglichkeit, diese Formel zu ändern. Dazu kamen andere Faktoren, Unproduktivität und Abhängigkeit von dem Westimperium auf den Gebieten der Technologie und Ernährung. Wegen dieser anachronistischen, auf die Utopiedoktrin gestützten imperialen Formel und zugleich wegen des Wirtschaftssystems des Ostimperiums zeigte sich dasselbe unfähig für seine imperialen Zwecke die notwendigen neuer technischen und wissenschaftlichen Mittel bereitzustellen. Das Westimperium, das über eine elastischere imperiale Formel verfügte, spürte, daß sein Feind schwächer wurde und verstärkte seine Angriffe in Europa, in Fernost und überall dort, wo es nur möglich war, forcierte neue Rüstungen oder drohte, diese zu unternehmen. Schritt für Schritt, methodisch und dauerhaft strebte es zum Sieg. Es begann, stärker in den inneren Angelegenheiten der europäischen Provinzen des Feindes Einfluß zu nehmen, die Oppositionsbewegungen zu unterstützen, die in größerem oder kleinerem Maß die Macht der Provinzstatthalter und damit die Macht des Ostimperiums in Frage stellten.

In diesem Moment bewegte sich das geopolitische Imperium Europæum im Schlafe, als ob schon die ersten Anzeichen, daß jemand gen Osten marschiert, es erschaudern machte. Ist doch das Imperium Europæum Verbündeter eines jeden, der derartiges unternimmt und so den Machtbereich seines Todfeindes verkleinert. In den folgenden Jahren wurde der Andrang des Westimperiums nicht geringer, so daß schließlich das von inneren Nöten gepeinigte Ostimperium, das sich unfähig zeigte, die Oppositionsbewegungen in den Provinzen niederzuhalten und eine neue imperiale Formel zu bilden, nachgab und die Mauer stürzte, die die ehemalige Hauptstadt des Imperium Germanicum teilte. Das Getöse der einstürzenden Mauer weckte das geopolitische Imperium Europæum, das sein Haupt erhob und sich umsah und feststellte, daß sich jemand weiter gen Osten bewegte um den ewigen Todfeind zu zerschlagen. So wurde das Imperium Americanum zum Verbündeten des Imperium Europæum. Auf dem Weg, den seit Jahrhunderten Krieger und Siedler des Imperium Europæum auf ihrem Wege gen Osten nahmen, trat das Imperium Americanum und begann das ewige geopolitische Ziel des Imperium Europæum zu vollenden.

Das Imperium Americanum schloß nach dem Fall der die ehemalige Hauptstadt des Imperium Germanicum teilende Mauer die Provinz, die früher ein Bestandteil des Imperium Sovieticum war, an seinen Teil der metropolitanen Provinz des Imperium Germanicum an. Dann übernahm es andere Provinzen des Ostimperiums unter seine Kontrolle und schwächte und zerbröckelte somit die ehemalige geopolitische Gestalt des Feindes immer stärker. Da der Anschluß der Provinzen unter dem Deckmäntelchen der Entstehung von unabhängigen Nationalstaaten vor sich ging, führte dies zu reger politischer Aktivität der Völker nicht nur der Provinzen, die am Rande sondern auch der, die näher dem Zentrum gelegen sind, mit dem Ergebnis, daß diese Provinzen teils oder völlig abfielen.

Das in seiner Westflanke geschwächte Ostimperium vermochte nicht, sich in den eigenen Südprovinzen zu behaupten, welche ebenfalls stufenweise ihre Unabhängigkeit erlangten. So drang das Imperium Americanum Schritt für Schritt, systematisch, bedächtig und überlegt, zugleich von dem steten Drang erfaßt, die Macht und Herrlichkeit zu mehren und die Weltherrschaft zu erlangen, immer tiefer in das Innere der Großen Insel ein. Man kann sagen, daß das Imperium Americanum – so wie früher das Imperium Germanicum – auf der höheren geopolitischen und geostrategischen Ebene ein Erfüllungsinstrument sei, mittels dessen das Imperium Europæum seine geopolitische und geostrategische Bestimmung realisiert, im Osten seinen ewigen und tödlichen Feind zu vernichten.

Das umstellte und schwächer werdende Ostimperium wehrt sich verbissen, denn es ist ihm bewußt, daß der Ermattung im Kampfe ein Niedergang folgt. Seine Vordenker und Ideologen mühen sich fieberhaft, eine neue imperiale Formel zu finden. Sie schaffen neue geopolitische Konzeptionen, die zwar gegen das Imperium Americanum gerichtet sind, zugleich aber auch die Einheit Europas zerschlagen und die geopolitische Wiedererstehung des Imperium Europæum verhindern sollen. Das Ostimperium verfügt zur Zeit über viele Ideologien, um seine ideologischen Verbündeten in Europa zu beeinflussen und den Ehrgeiz der europäischen Nationalismen anzustacheln. In Europa versucht es, geopolitische Alternativen zu verbreiten, mit Bündnis- und Blockkonzeptionen zu blenden und den größten europäischen Provinzen Hilfe bei Souveränitätsbestrebungen zu versprechen. All dies nur zu dem einem Zwecke, daß das Imperium Europæum seine geopolitische Existenz nicht erlange.

Die innere Lage des Ostimperiums ist nicht gut, verschiedene weitere Provinzen zeigen Neigung, sich vom Zentrum unabhängig zu machen, separatistische Bestrebungen gewinnen an Stärke usw. Da ihm der drohende Verlust des imperialen Status bewußt ist, tut das Ostimperium alles, sich zu retten, es montiert alte und neue Agenturen, es droht von Zeit zu Zeit dem Imperium Americanum, die in seinen Archiven ruhenden Bestände von brisanten Dokumenten zu veröffentlichen. Dokumente, welche über fünfzig Jahre lang die imperiale Geschichtsschreibung beider Imperien bestimmt und gefestigt haben, jetzt aber im hohen Maße nicht mehr für das Ostimperium, jedoch für das Imperium Americanum von Bedeutung sind, da dieses zur Zeit die europäische Provinzen, in denen die von beiden vorgegebene Geschichtslesart Geltung hat, noch unter Kontrolle hält. Von daher sind die propagandistischen Schachzüge des Ostimperiums vom Nutzen für das Imperium Europæum.

Das Ostimperium sucht fieberhaft nach Mitteln, welche geeignet sind, ihm in der Abwehr gegen das Imperium Americanum und indirekt auch gegen das Imperium Europæum zu helfen. Es ist sich dessen bewußt, daß seine geopolitische imperiale Existenz in höchstem Maß bedroht ist. Falls sie ihm abhanden käme, könnte es sie womöglich nie mehr wieder erlangen. Dann könnte das Imperium Americanum, welches ihm gegenüber auch über finanzielle und ökonomische Druckmittel verfügt, mit ihm tun, was immer ihm beliebt.

Das Imperium Americanum ist sich dessen bewußt, daß die Zerschlagung des Ostimperiums und die Eroberung der Großen Insel, zu der es antreten will und muß, geopolitische Kräfte freisetzt, derer es möglicherweise nicht Herr werden kann; es weiß wohl, daß die Zerstörung des bisherigen geopolitischen Gleichgewichts auf der ganzen Platte der Großen Insel tektonische Erschütterungen nach sich ziehen wird, die schwer zu beherrschen sein werden. Denn nicht nur wird das Imperium Europæum aus dem geopolitischen Schlaf geweckt, sondern auch andere geopolitische Gebilde auf der Großen Insel werden die sich bietende Gelegenheit der Zerschlagung des Ostimperiums nutzen. Von daher wird das Imperium Americanum eher bemüht sein, das Ostimperium in der Rolle einer Regionalmacht zu erhalten, um es zur gegebenen Zeit als drehenden Kettenhund gegen das Imperium Europæum und andere geopolitische Organismen auf der Großen Insel und an deren Küsten einzusetzen. Infolgedessen sollte das Imperium Europæum eine Allianz mit dem ehemaligen Verbündeten des Imperium Germanicum im Femen Osten wie mit dem großen von der gelben Rasse bewohnten Staat anstreben, sowie mit den Staaten, die auf der geopolitischen Ebene das Imperium Arabicum bilden. Deren Kräftezuwachs wird den Druck, den das Imperium Americanum auf das Imperium Europæum ausübt, verringern, was für das Imperium Europæum mit einer Erweiterung des geopolitischen Raumes und der politischen Beweglichkeit einhergehen wird. Im geopolitischen Interesse des Imperium Europæum liegt, daß das Ostimperium nicht mehr ein Imperium sei, sondern zugleich, daß es geteilt und abhängig gemacht werden solle, in Zukunft sollte es als eine (oder mehrere) Provinzen in das Imperium Europæum aufgenommen werden.

Diese langfristig ausgreifenden Ziele will das Imperium Europæum durch das Mittel der Benutzung des heute unter militärischer und politischer Hinsicht stärkeren Imperium Americanum erreichen, indem es dessen imperialen Willen anstachelt und kräftigt. Wenn das Ziel erreicht sein wird, wird sich auch das Naturell des Imperium Americanum ändern, und diese Veränderung findet bereits jetzt schon in dem Maße statt, als das Seeimperium in das Innere der Großen Insel hineindringt. Das Imperium Americanum muß seine bisherige imperiale Formel modifizieren, denn die bisherige wird immer anachronistischer, angesichts der Herausforderungen, die die Eroberung der Großen Insel mit sich bringt.

Die imperiale Formel, welche die Weltherrschaft hinter den Losungen von Demokratieverbreitung, Menschenrechten und Freiheit versteckt hatte, war im Kampf gegen das Imperium Sovieticum von Nutzen, denn es war gegen seine ideologische Formel gerichtet. Als das Ostimperium seine frühere imperiale ideologische Formel abgeworfen hat, hatte auch die ideologische imperiale Formel des Imperium Americanum ihren Sinn verloren. Es gibt nichts mehr, worum es zu kämpfen hat, ist doch das ideologische Ziel erreicht worden. Und doch will und muß es weiterhin um die Weltherrschaft kämpfen. Von daher suchen die Ideologen des Imperium Americanum jetzt fieberhaft nach einer Möglichkeit der Modifizierung der imperialen Formel. Einmal verkünden sie die „Neue Weltordnung“, ein anderes Mal das „Ende der Geschichte“ und wiederum ein anderes Mal den „Kampf der Kulturen“. Diese Suche wird an Intensität zunehmen, denn eine neue imperiale Formel ist unabdingbar. Man muß im Auge behalten, daß die imperiale Formel auf verschiedene Weise mit der inneren Ordnung des Imperium in Verbindung steht. Von daher wird die Änderung der imperialen Formel mit fortschreitender Zeit auf die Änderung der ideologischen Elemente und deren Modifizierung im ganzen Imperium Americanum Einfluß nehmen.

Das Imperium Americanum würde gern ein echtes amerikanisches Imperium Mundi bilden, doch dazu ist die Zeit noch nicht reif. Zuerst muß die Welt durch eine neue imperiale Ära hindurchgehen, in der die Imperien sich auf neue, erfolgversprechende imperiale Formeln stützen werden; sie werden wahrhaft dementsprechend ihre Gebiete und Völker beherrschen. Erst später, nach der nächsten Runde im Kampf um die Welt, die wahrscheinlich das ganze 21. Jahrhundert und länger andauern wird, wird eines der Imperien ein wahres Imperium Mundi bilden.

All diese Prozesse begünstigen das Imperium Europæum, das langsam seine geopolitische Existenz wiedergewinnt. In immer größerem Maße wird der „Verbündete“ des Imperium Americanum ein Halb-“Verbündeter“, um dann zu einem wirklichen Verbündeten des Imperium Americanum aufzusteigen. Ohne das Imperium Europæum ist das Imperium Americanum nicht imstande, die Große Insel zu beherrschen und zu verwalten. Aus geopolitischem und geostrategischem Gesichtspunkt befindet sich das Imperium Europæum auf der Großen Insel bei sich zu Hause, ist somit da, wo sich seine Geschichte ereignete und ereignet. Das Imperium Americanum muß wiederum über die Große Insel, die für sie ein Fremdgebiet ist, Herrschaft aus der metropolitanen Hauptprovinz der Kleinen Insel ausüben. Es läßt sich daher voraussehen, daß es zu dem Punkt kommt, daß, wenn das Imperium Europæum den Boden der Großen Insel berührt, es dann sich wie Antaios aufstellen und dem schwächer gewordenen Imperium Americanum gleich auf gleich, als tatsächlicher Verbündeter gegenüber stehen wird. Dies wird der Anfang einer neuen Runde des Ringens um die Herrschaft über die Große Insel und anschließend über die Welt sein. Das Imperium Europæum wird in seiner potenzierten, geoimperialen Form Gestalt annehmen und vom Imperium Americanum die Herrschaft über die Große Insel übernehmen.

2.Warum wird das Imperium Europæum den Kampf um die Welt gewinnen?

Das Imperium Europæum wird den Kampf um die Welt gewinnen, da seine Geopolitik sich nicht bezwingen läßt und sein Geist unbesiegbar ist. Das Imperium Europæum wird zuerst den Eingang zum Heartland beherrschen, anschließend das Heartland selbst. Um dies zu erreichen, wird es eine Allianz zwecks der Teilung des Ostimperiums mit anderen geopolitischen Organismen der Großen Insel schließen. Somit wird die Zange zerrissen, die durch das ganze 20. Jahrhundert hindurch Europa von Ost und West im Griff hielt. Mit jedem Schritt gen Osten wird das Imperium Europæum seinen geopolitischen Machtarm stärken; dies wird es nutzen, um die geopolitische Macht im Westen erneut zu erlangen. Wenn das Imperium Europæum das Heartland beherrschen und organisieren wird, dann wird es zur dominierenden Macht der Großen Insel. Dann wird es mit Hilfe der neuesten Mittel der imperialen Machtausübung alle Nationen, Völker und Stämme, die auf der Großen Insel seßhaft sind, unter eigene Herrschaft bringen. Seine Herrschaftsformen werden gänzlich neu den Bedingungen und Bedürfnissen des 21. und 22. Jahrhunderts angepaßt werden. Zugleich werden sie aus jenen Herrschaftsformen entspringen, die im Imperium Europæum seit Tausenden Jahren stets zur Geltung kamen.

Wenn das Imperium Europæum die Große Insel beherrschen wird, dann wird es eine geopolitische Base sein eigen nennen, die bisher kein Imperium innehatte. Die Küsten seines Machtbereichs werden von einer gewaltigen imperialen Flotte geschützt, machtgewaltige Flugzeugträger werden seine Buchten und Meerengen kontrollieren, in alle Himmelsrichtungen werden todbringende Raketen zielen, während es selbst von einem undurchdringbaren strategischem „Schutzschild“ abgeschirmt sein wird. Das Imperium Europæum wird nicht nur eine politische, militärische und ökonomische Übermacht, sondern auch ein Anziehungspunkt für andere Nationen, ein Inbegriff von attraktiven Kräften, ein Zentrum, um das sich andere außereuropäische Völker sammeln werden. Das Imperium wird seine Werte diesen nicht mit Gewalt aufzwingen, jedoch mit Freude jeden aufnehmen, der sie tragen und verteidigen möchte, unabhängig von dessen Volkszugehörigkeit, Rasse oder Religion. Von anderen Nationen, Völkern und Stämmen wird das Imperium einzig und allein fordern, seine Machtfülle anzuerkennen und einen Beitrag zur Vermehrung der Macht und der Herrlichkeit des Imperiums zu leisten. Wenn die Große Insel beherrscht, gefestigt und organisiert wird, so daß sie zu einer unannehmbaren Festung wird; wenn um sie herum auf den Meeren und Ozeanen eine Sicherheitszone errichtet sein wird, dann wird sich das Imperium gegen den Süden wenden. Und wie schon immer wird der Norden den Süden bezwingen und das Imperium Arabicum bezwingen.

Das Imperium Europæum – Festland, Insel und Meer in einem, West und Ost, Nord und Süd – wird ein Imperium der Mitte, das in sich sowohl Nomos der Erde und Nomos des Meeres, Nomos der Luft und Nomos des Weltalls verbinden, es wird ein „Neuer Kontinent“, Leviathan im Bündnis mit Behemoth, Bär und Walfisch in Allianz mit dem Adler, wird drei letzte geoimperiale Projekte in Angriff nehmen. In der ersten Bewegung wird es, gemäß der umgedrehten Monroe-Doktrin, seine ozeanische Sicherheitszone im Osten und im Westen verschieben. In der zweiten wird das Imperium die in seinem westlichen Ozean liegende Südinsel unter seine Kontrolle bringen. Diese Insel hat schon einmal in seinem Einflußbereich gelegen, darüber hinaus bestehen zwischen ihr und dem Imperium enge sprachliche, kulturelle und religiösen Bande. In der dritten wird es sich gegen die Nordinsel richten, wo sich die ehemals metropolitane Provinz des ehemaligen Imperium Americanum befand. Das Imperium Europæum wird den „Alten Kontinent “ von Westen und Norden, wo eine Nachbarschaft mit der Ostküste der Großen Insel besteht, vom Osten und Süden einkreisen. Das Imperium Americanum wird besiegt, das Imperium Europæum nimmt von ihm die Huldigung entgegen, um es anschließend zu europäisieren und neu zu organisieren. Somit wird die endgültige geopolitische Form des Imperium Europæum realisiert und die Weltherrschaft erlangt.

Die Geschichte wird einen großen Kreis schließen. Einst haben die Amerikaner ihre Provinzen vom Imperium Europæum losgerissen, um ein Imperium Americanum aufzubauen und das Imperium Europæum zu erobern. Es wird aber die Zeit kommen, in der die Europäer ihre Deklaration der Unabhängigkeit proklamieren werden, die eigenen Provinzen vom Imperium Americanum losreißen, um das Imperium Europæum erneut aufzubauen und ihre ehemals amerikanischen Provinzen anzuschließen.

Das Imperium Europæum wird den Kampf um die Welt gewinnen, da es das einzige wahre Imperium ist. Denn „es gibt nur Ein Reich, so wie es nur Eine Kirche gibt“. Das Imperium Europæum wird den Kampf um die Welt gewinnen, da es diesen zum zweiten Male führt, von daher kann es sich auf die geschichtliche Erinnerung berufen, sie auffrischen und für die Europäer zur Inspiration machen. Es wird die Welt erneut erobern, ohne die alten Fehler, die Ursache seiner schrecklichen Katastrophe im 20. Jahrhundert waren, nochmals zu begehen.

Die Souveräne und die Untertanen des Imperium Europæum können von sich und ihrem Imperium das sagen, was andere Imperien nicht können: Wir Europäer haben – in der ewigen Gegenwart unseres Geistes – alles: Wir haben Gott und Götter, Monotheismus und Polytheismus, Kirche und Kirchen, wir haben alle Glaubensarten, Sekten und religiöse Strömungen, Symbole, Mythen, Legenden, Märchen und Heilige Schriften; wir haben viele Sprachen, Dialekte, Kulturen, Landschaften und Klimata, haben Meere, Ozeane, Gebirge und Wüsten, haben Kunst, Literatur und Philosophie, die alles überragen, was jemals in diesen Bereichen der Mensch geschaffen hat, haben Physik und Metaphysik, Mathematik und Musik, die keiner bis jetzt komponierte außer uns, haben gewaltige Technik und subtile Poesie, uns eigen ist die unendliche Sehnsucht nach der Raumeroberung und Sehnsucht nach der Kontemplation, der Reflexion und des Nachdenkens, wir haben das Bedürfnis nach einem prometheischen Aufruhr und einer bedingungslosen Unterordnung, den faustischen Vitalismus und die franziskanische Demut, wir haben einen machiavellistischen Zynismus und einen gesteigerten Idealismus, romantische Unbeherrschtheit und klassische Beschränkung, durchdringenden politischen Realismus und alle Schattierungen von Utopien, wir haben Heroen, Imperatoren, Kaiser, Päpste, Könige, Führer, Kardinäle, Feldmarschälle, Generäle, Helden, Berserker, Aristokraten, Magnaten, Adelige, Bürger, Bauern, Proletarier, Nomaden, Kreuzritter, Ordensbrüder, Ritter, Ordensritter, Krieger, Kondottiere, Söldner, Segler, Korsaren, Piraten, Eroberer, Gründer, Bankiers, Abenteurer, Kaufleute, Ausbeuter, Konquistadoren, Reisende, Entdecker, Pilger, Priester, Missionare, Märtyrer, Heilige, Gnostiker, Inquisitoren, Häretiker, Schismatiker, Mystiker, Magier, Visionäre, Propheten, Religionsreformer, Asketen, Epikuräer, Dandys, Händler, Unternehmer, Makler, Revolutionäre, Demagogen, Fanatiker, Meuterer, wir haben Amazonen, weise Frauen, Ordensschwestern, heilige Märtyrerinnen, heilige Kriegerinnen, Kaiserinnen, Königinnen, Prinzessinnen, Feministinnen, Hexen, Matronen, Revolutionärinnen, wir haben Gründer von Gesetzen und Kodexen, Astrologen und Astronomen, Alchemisten und Chemiker, politische Denker, Wissenschaftler und Erfinder, die es nirgendwo anders gegeben hat.

Wir Europäer kennen alle Formen der Eroberung und der Herrschaft – politische, ökonomische, militärische, finanzielle, ideologische, religiöse, kulturelle und moralische, wir kennen alle Muster der Expansion, Infiltration, Kolonisation, Penetration, Aufnahme, Assimilation, Inkulturation, wir kennen alle möglichen Gesellschaftsordnungen und politische Formen: Imperium, Imperien, Monarchien aller Art, Stadtstaaten, Republiken, Tyranneien, Demokratie aller Art, große Staaten und kleine Fürstentümer, Sklaverei, Leibeigentum, Untertanentum, Feudalismus und Kapitalismus, Sozialismus und Kommunismus, Ständegesellschaft und Korporationismus, militärische und zivile Diktaturen, Zentralismus und Föderalismus, Mafia und Oligarchie, Totalitarismus und Anarchie, Etatismus und freien Markt, wir haben Okkupationen, Annexionen, Abtretungen, Protektorate, Föderationen und Konföderationen, Zollunionen, Mandatsgebiete, Kolonien, wir kennen alle Typen der Gesellschaftsordnung und alle Zivilisationen. Sie alle können, angepaßt an die ökonomischen und technischen Bedingungen des kommenden Jahrhunderts, modifiziert, der Metamorphose und der Rekonstruktion unterliegend, erneut als Mittel wiederkehren, um die Macht und Herrlichkeit des Imperium zu vermehren.

Wir haben Kriege angezettelt, sie gewonnen und verloren, wir haben Revolutionen, Umstürze, Aufstände, Revolten gemacht und sie niedergemacht, wir haben okkupiert und wurden okkupiert; wir haben Verschwörungen angezettelt und sie zerschlagen, Kreuz- und Beutezüge ins Leben gerufen, wir haben kolonisiert und wurden kolonisiert, wir haben vertrieben und ausgerottet und wurden selbst vertrieben und ausgerottet; wir haben dank der subtilsten Mitteln der Diplomatie gewirkt und sind wie eine wilde Flut nach vorwärts gedrungen, den Feind mit Schwert und Feuer überziehend; wir kennen List und Irreführung, wir wissen, was Blut und Eisen heißt. Wir waren Partisanen, Aufständische, Diversanten, Terroristen und wir haben Partisanen, Aufständische, Diversanten, Terroristen getötet.

Wir Europäer kennen alle möglichen Arten der politischen Aktion. Und wir werden sie erneut in einem geoimperialen Ausmaß nutzen, um die Macht und Herrlichkeit des Imperiums zu mehren. In der ganzen Welt haben wir die europäischen Sprachen verbreitet und wir werden dies für unsere Zwecke nutzen. Wir haben die ganze Welt durchstreift und kennen alle Kulturen, Sprachen und Sitten. Wir Europäer kennen alle Ideologien, alle politischen und juristischen Doktrinen, weil wir sie geschaffen haben und wir werden sie als Mittel benutzen, wenn es darum geht, den Feind zu zerschlagen und unterzuordnen. Wir werden stets vorwärts gehen, wenn es nötig ist, zwei Schritte vorwärts und einen Schritt zurück, Schlag, Attacke, Verteidigung und erneut Attacke, Verteidigung und Clinch und erneut Attacke, List, Propaganda und Bestechung, Provokation und offener Angriff und Erpressung und Druck, hier Aufstand und Revolte, dort Generalstreik oder Staatsstreich, Chaos und Intervention, um es zu beenden. Kaltblütig, emotionslos planen und kalkulieren; Angriffe militärischer, politischer, ökonomischer, finanzieller, moralischer, ideologischer Art und wie immer es wünschenswert erscheint, Zug um Zug, Schritt für Schritt, einmal meisterliches Spiel auf vielen Ebenen, ein anderes Mal brutale nackte Gewalt, einmal Verhandlungen und einmal Bombardierung, einmal diplomatischer Poker am grünen Tisch, einmal ein Blutbad, einmal Stich mit dem Florett, einmal Hieb mit dem Beil. Und immer wachsam und beständig das Feuer auf dem gegenüberliegenden Ufer beobachten, vor den Augen das höchste Ziel, die Macht und Herrlichkeit des Imperium Europæum.

Wir werden Waffen schaffen, die schrecklicher sein werden, als das was bisher bekannt war, unsere super-schnellen und unversenkbaren Kriegsschiffe stechen in die Ozeane, unsere Atom-U-Boote werden unbemerkt an den Küsten des Feindes auftauchen, aus unseren gewaltigen Flugzeugträgern werden unsere wunderschönen, mit Bomben und Raketen bestückten Kampfflugzeuge starten, um „mit einem chirurgischen Einschnitt“ Frieden und Ruhe dorthin zu bringen, wo sie – laut Imperium – bedroht sein werden. Es waren wir Europäer, die die Weltraumtechnologie geschaffen haben, wir werden sie erneut noch besser und großartiger schaffen. Unsere Spionagesatelliten werden Tag und Nacht die kleinsten feindlichen Bewegungen verfolgen, unsere hervorragenden Spione werden in die Machtstellen des Feindes eindringen, unsere Fernsehstationen werden in alle Welt unsere Werte, unsere Version der Geschichte des Imperiums und unsere Version der Geschichte der Feinde des Imperiums verbreiten, unsere übermächtige Filmindustrie wird mit europäischen Filmen, Seifenopern, Zeichentrickfilmen die Welt überfluten, unsere Comics kommen in die Hände der Kinder in der ganzen Welt, unsere Manager der Propaganda und der psychologischen Kriegsführung, unsere Fachleute von der Werbung und der PR werden, wo und wann es nötig sein wird, eine gehörige Gehirnwäsche durchführen, unsere Bankiers werden Währungssysteme von Staaten, die das Imperium für feindlich erklärt, zu Grunde richten, unsere Kapitalisten werden alle Wirtschaftskriege gewinnen, unsere Diplomaten werden Diplomaten des Feindes überlisten, hintergehen und betrügen, unsere politisch-ideologischen Agenturen werden Tag und Nacht intrigieren, Verschwörungen schmieden, aufwiegeln, ideologische und politische Verwirrungen beim Feind stiften, unsere Einflußagenten werden „Montagen“ austüfteln, in einem Ausmaß, von dem die Imperien des 20. Jahrhunderts nicht einmal träumen konnten, unsere Sonderdienste werden die mächtigsten in der Welt und vor keiner Provokation und Aktion, die unter den Feind Zwist, Streit und Schwäche bringen werden, zurückschrecken.

Wir Europäer verstehen herrlichste Werke zu schaffen, aber wir verstehen auch zu zerstören und zu vernichten, wir verstehen aufzubauen, aber auch in Schutt und Asche zu legen. Wir im Imperium Europæum haben alles, kennen alles und vermögen alles. Deshalb sind wir unbesiegbar. Unsere imperialen Armeen werden auf dem Lande, auf den Meeren, in den Tiefen der Ozeane, in der Luft und im Weltall unter dem Purpurbanner gehen, einem Banner auf dem zwei Adler zu sehen sein werden, ein weißer mit eherner und ein schwarzer mit goldener Krone, mit Kreuzen auf der Brust und Schwertern in den Krallen. Die Krieger des Imperiums werden kämpfen und siegen unter dem Ruf: Gott, Imperium und Ehre. Für die einen Krieger wird es Gott in der Dreieinigkeit, für die anderen Sol Invictus, Gott der Philosophen, ein „Unbekannter Gott“, der Große Erbauer, ein transzendentes Prinzip, kosmische Urkraft oder Symbol von etwas, was höher als der Mensch ist, für noch andere Jahwe oder Allah sein. Aber sie alle werden, von ökumenischer Bruderschaft geeint, vom Geist der Toleranz und der Achtung für andere Glaubensrichtungen und Weltanschauungen erfüllt, in einem interreligiösen Dialog bleibend, dem Imperium dienen und ein Recht kennen: Mit Ehre für die Vermehrung der Macht und der Herrlichkeit des Imperiums zu sterben, und nur eine Losung beherzigen: Es gibt kein Erbarmen für die Feinde des Imperiums.

Ausgerüstet mit modernsten Waffen und technischen Mitteln werden sie Schritt für Schritt für die Entstehung des mächtigsten Imperiums, das die Weltgeschichte je gesehen hat, ihren Beitrag leisten. Ein Imperium, in dem die Sonne nie untergehen wird. Und verfließen werden Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte, bis der Endkampf siegreich ausgefochten und die Banner des Imperiums in allen Teilen der Erde von ihnen aufgepflanzt sein werden, im Heiligen Land, auf Ultima Thule, auf dem Großen Berg, über Camelot, in dem Land Mordor, und die Fülle von Macht und Herrlichkeit des Imperiums wird über sie kommen. Es wird dann Zeit, daß sie ihren uneinholbaren weißen Rossen Ruhe gönnen werden und zur Tränke im Großen Fluß fuhren, ihre Titanrüstung und Computerhelme mit Nachtsichtgeräten abstreifen, ihre handbaren „intelligenten“ Raketenwerfer und Neutronenspeere ablegen, ihre Laserschwerter abschnallen, um vor dem Altar zu knien oder sich um einen Steinkreis herum aufzustellen, dann werden auf den Hügeln Feuerscheite angezündet, der unsterbliche Triumphgesang angestimmt und ein freudenreiches Festmahl abgehalten.

Mit den Kriegern Arm in Arm werden auch Theologen, Philosophen, politische Denker, Dichter und Künstler um die geistige Gestalt des Imperiums ringen. Und wenn Gog und Magog bezwungen sein werden, die Köpfe des Tieres abgeschlagen und das Herz Fenrirs vom Schwert durchbohrt sein wird, wenn eine vollkommene Harmonie zwischen Geist und Geopolitik, wenn die beiden in der höchsten, absoluten Synthese zusammenschmelzen werden, wenn das europäische innere Imperium des Geistes und das äußere europäische Imperium der Geopolitik zu einer untrennbaren Einheit werden, wenn die europäische Metaphysik, europäische Metapolitik, europäische Geopolitik und europäische Politik zusammenfinden und zusammenwachsen zur einzigen organischen Ganzheit, einer Ganzheit, die lebend, herrlich und machtvoll sein wird, dann wird sich der europäische Traum erfüllen, und in seinem ganzen Glanz der Macht und der Herrlichkeit offenbart sich der Menschheit das Universale Europäische Imperium Mundi, Imperium Sacrum Sanctum Magnum et Ultimum.

Die Hauptstadt des Imperiums (Caput Mundi) wird dort gegründet, wo die Axis Mundi verläuft. Im Zentrum der Hauptstadt des Imperiums, vor dem oktogonalen Schloß des Imperiums wird eine Granitsäule aufgerichtet, auf der ein Heiliges Feuer brennen wird, bis ans Ende des Imperiums, das heißt bis ans Ende der Zeit, wenn auch für das Imperium – das ein Schwert Gottes und ein Schutzschild der Völker sowie „ der es jetzt aufhält “ (katechon ist – die Stunde des Gerichts schlagen wird. Und ein sieghafter, wehrhafter, ewiger Frieden, Pax et Iustitia Europaea eintreten wird, ein Goldenes Zeitalter, und die politische Geschichte unseres Planeten wird an sein Ende gelangen. Fernsehstationen, die mit ihrer Reichweite den ganzen Globus umfassen, werden Auftritte von neuen Troubadouren senden, aus den Massen wird erneut das Volk und aus Oligarchien und Eliten wird eine neue imperiale Aristokratie – eine politische und geistige, die eine Hierarchie unter den Menschen, Werken und Taten einleiten wird, eine Hierarchie nicht nach Volkszugehörigkeit, Rasse oder Religion sondern nach Klugheit, Schönheit und Kraft.

Zur dieser Aristokratie werden Menschen verschiedener Völker, Rassen und Religionen gehören; vorstehen werden ihr die Europäer, weil diese stets die höchste Ordnung der Metaphysik und der imperialen Politik repräsentierten, die höchste Ordnung in der Religion, Kultur, Ästhetik, Wissenschaft. Auch deshalb, weil unter ihrer Führung ein Universales Europäisches Imperium Mundi geschaffen wurde, und sie das „imperiale Volk“ sein werden, das die größte Verantwortung für die Existenz, die Sicherheit, das Vermehren der Macht und der Herrlichkeit des Imperiums zu tragen haben. Weiter bestehen werden alte, zugleich jedoch werden neue Epen entstehen, neue Kunstwerke, neue Poesie; weiter bestehen werden alte, jedoch zugleich werden neue Metaphysik, neue Theologie, neue Mystik des Imperiums entstehen; weiter bestehen werden alte, aber zugleich werden neue Symbole, Mythen und Riten des Imperiums entstehen, und weiter wird der alte Äon andauern, aus dem aber ein neuer hervorgehen wird.

Und alles, was ganz neu und anders sein wird, findet auf eine wunder- und geheimnisvolle Weise zugleich seine Übereinstimmung mit dem ewigen und unzerstörbaren Geist des Imperium Europæum. Und alle Untertanen im Imperium werden glücklich sein, denn durch rechtes Schaffen und sorgfältige Pflichterfüllung, unabhängig von deren Art und Umfang, werden sie dem Imperium dienen. Wer aber dem Imperium dient, ob ein Dichter ein Gedicht schreibend, ein Gärtner Rosen pflegend, ein Erfinder über eine neue Waffenart nachdenkend, Eltern ihre Kinder gerecht erziehend, ein Intendant einer globalen Fernsehstation dem Volk eine angebrachte Unterhaltung unterbreitend, auf den wird ein Bruchteil der Macht und der Herrlichkeit des Imperiums niedergehen.

Die Untertanen des Imperiums werden den Sinn des Lebens finden, denn sie haben etwas, wofür es sich lohnt zu leben; scheinbar gehen sie normalen alltäglichen Dingen und Beschäftigungen nach, doch all das hat einen höheren Sinn, denn sie dienen dem Imperium. Für die Untertanen wird es keine Schwierigkeit sein, das Gute vom Bösen zu unterscheiden, die Schönheit von der Häßlichkeit; denn etwas ist gut, weil es gut für das Imperium ist und etwas ist böse, weil es böse für das Imperium ist; etwas ist schön, weil es das Imperium schöner macht, häßlich, weil es das Imperium häßlich macht. Die Priester im Imperium erforschen stets die unerforschten Geheimnisse ihrer Religionen, sie forschen und forschen, und da die Geheimnisse unerforschbar sind, verbringen sie dabei ihr ganzes Leben.

Dies ist gut für sie selbst und für die Gläubigen ihrer Religionen, weil es gut für das Imperium ist. Falls die Priester die unerforschbaren Geheimnisse ihretwegen nicht erforschen, dann beginnen sie darüber nachzudenken, wie die herrschende Ordnung im Imperium zu verbessern sei, auf daß sie der Ordnung im Himmelreich entspräche. Und das ist von Übel für das Imperium, weil die im Imperium herrschende Ordnung am nächsten der im Himmelsreich herrschenden ist. Von daher läßt sie sich in keinem Maße verbessern. Im Imperium vertiefen sich Philosophen pausenlos in die Geheimnisse des Seins, der Dinge, der menschlichen Existenz; und dies ist gut für sie selbst und für alle, die ihre Traktate lesen, denn es ist gut für das Imperium, denn hätten sich die Philosophen nicht in diese unlösbaren Geheimnisse vertieft, dann würden sie womöglich darüber nachsinnen, wieso das Imperium so und nicht anders beschaffen ist, und ob nicht eine Möglichkeit bestünde, es zu ändern.

Und das wäre vom Übel, denn das Imperium ist so, wie es ist, weil es ist, so wie es ist. Man kann in ihm nichts ändern, weil das Imperium vollkommen ist, in dem Maße, in dem ein menschliches Werk vollkommen sein kann. Von daher würde es zu ändern auf eine Verschlechterung hinauslaufen. Im Imperium forschen und beschreiben Autoren der imperialen Chroniken und Hofhistoriker ohne Unterlaß, wie das Imperium seine Macht und seine Herrlichkeit vermehrt hatte. Und das ist gut für alle, die ihre Werke lesen, weil es gut für das Imperium ist. Denn Historiker, die solches nicht tun würden, könnten zu der Schlußfolgerung kommen, daß die Geschichte des Imperiums nicht eine Geschichte ausschließlich der Vermehrung von Macht und Herrlichkeit ist. Dies wäre eine Verbreitung von falschen Thesen zur Geschichte des Imperiums, denn sie ist ausschließlich eine Geschichte der Vermehrung von Macht und Herrlichkeit des Imperiums. Historiker, die sich als Ziel ihrer Forschung nicht die Vermehrung der Macht und der Herrlichkeit des Imperium gesetzt hätten, könnten auch zu der Schlußfolgerung gelangen, daß auch die Geschichte anderer Imperien, der Feinde des Imperiums, gleichfalls von Vermehrung der Macht und Herrlichkeit zeugt. Und dies wäre Fälschung der Geschichte, denn Feinde des Imperiums vermehren niemals Macht und Herrlichkeit, vielmehr Chaos, Übel und Lüge, denn sie sind Imperien des Bösen im Gegensatz zum Imperium, das ein Imperium des Guten ist. Falls, was man theoretisch voraussetzen kann, feindliche Imperien nicht gänzlich Imperien des Bösen sind, dann nur deshalb, weil ein Teilchen der Macht und der Herrlichkeit des Imperium auch auf die Feinde niedergeht, Feinde, die tückisch und verräterisch das Imperium angreifen, das sich immer nur vor den Feinden verteidigt und nur gerechte Kriege führt, weil jeder Krieg des Imperiums von Natur aus ein gerechter Krieg ist.

Und so lebt ein jeder Untertan des Imperiums glücklich, stolz darauf, ein Untertan des Imperiums zu sein. Man könnte die Frage aufwerfen, ob die herrschende Ordnung im Imperium, die eine Ordnung des Imperiums ist, zugleich eine an sich und in sich und eine, die aus dem Imperium ein Imperium des Guten macht, nicht zu wanken beginnt, wenn die Untertanen feststellen werden, daß das Imperium keine Feinde mehr habe, weil alle schon bezwungen worden sind, jedoch weiterhin böse Taten und Werke zu verzeichnen sind.

Denn Böses im Imperium tun Menschen, die Agenten feindlicher Imperien sind, und wenn kein Feind mehr da ist und einer trotzdem etwas Böses begangen hat, dann kann die Frage auftauchen: Woher das Böse? Und dann eine andere: Kann die Ordnung des Imperiums noch die allerbeste sein, wenn in ihm böse Taten verbrochen werden, obwohl die Feinde des Imperiums niedergezwungen worden sind und keine ihnen hörigen Agenten da? Und doch ist die Verfassung des Imperiums die vollkommenste in dem Grade, in dem ein menschliches Werk Vollkommenheit erreichen kann, von daher darf man keine derartigen Fragen stellen.

Vermag das Imperium alle Feinde zu bezwingen? Es ist wahr, daß es keine Feinde mehr auf dem Planet Erde hat, aber sie könnten doch irgendwo in den Weiten des Weltalls auf der Lauer sein, um heimtückisch und verräterisch, wie es von Natur aus jeder Feind des Imperiums tut, das Imperium anzugreifen. Bekanntlich behaupten Priester verschiedener Religionen und Astrophysiker, die keinerlei Verantwortung für die Sicherheit des Imperiums tragen, daß es da keine Feinde gäbe, aber kann man ganz sicher sein? Man kann es nicht. Und wenn man nicht so sicher sein kann, daß es dort keine Feinde gibt, dann bedeutet das, es gibt welche.

Von daher wird das Imperium auch dann, wenn alle Feinde des Imperiums auf der Erde bezwungen sind, von dem Grundsatz geleitet: Stets das Feuer auf dem gegenüberliegendem Ufer beobachten. Somit werden gigantische Teleskope pausenlos den Himmel abtasten, nach einem Feuer, nach einer verdächtigen Bewegung, nach irgendeinem „Unidentifizierten Flugobjekt“. Die mit Hoheitszeichen des Imperiums versehenen Raketen und Satelliten werden ohne Unterlaß an den kosmischen Grenzen des Imperiums patrouillieren. Informationsdienste des Imperiums werden in den globalen Hauptfernsehsendern von Zeit zu Zeit die Nachricht verbreiten, daß eine Rakete des Imperiums verschollen sei oder verdächtigte Bewegungen an den Grenzen des Imperiums von den Teleskopen festgestellt worden sind, um die Untertanen zur Wachsamkeit aufzurufen, zu einer vermehrten Anstrengung, auf daß nichts dem Imperium im Wege stehe, seine Macht und seine Herrlichkeit zu vermehren.

3.Wie kann man heute dem Imperium Europæum dienen?

Dem Imperium Europæum kann man dienen, indem man all das tut, was Europäer schon seit Jahrhunderten immer getan haben: man soll leben, denken, wirken, organisieren, schaffen, arbeiten, herstellen, sich lieben, Freundschaften pflegen, ausruhen, in seinem Geiste spielen. Dies ist jedoch offenbar und jedem echten Europäer bekannt. Dem Imperium Europæum kann man heute dienen, ohne es laut zu sagen. Es kommt darauf an, das eigene Tun und Lassen nach dem Kriterium – ist es gut oder schlecht für das Imperium? – auszurichten.

Jedem, der es zu verstehen weiß, werden die tagespolitischen Auseinandersetzungen keinen Schrecken einjagen, er wird auch nicht kleinzukriegen sein von dem allerorts herrschenden Wirrwarr im Sprach- und Schlagwortgebrauch, zu dem man ab und zu selbst Zuflucht zu suchen hat. Wenn man ein solches Ziel wie das Imperium Europæum vor sich hat, dann wird heute schon so gelebt, als ob es eine greifbare Wirklichkeit wäre; so werden keine taktischen Spiele, die einer heute mitzumachen hat, keine rituellen Phrasen, die einer von sich zu geben hat, ihm die innere Ruhe stören, denn – abgesehen von den äußeren Umständen, den Kräfteverhältnissen und dem tagespolitischen Kampf – wird schon heute ein Bruchteil der Macht und der Herrlichkeit über ihn kommen.

Heute erwacht das Imperium Europæum aus dem geopolitischen Schlaf, reibt sich die Augen, schaut sich vorsichtig um. Die Aufgabe derjenigen, die dem Imperium dienen wollen, ist es, dem Imperium zu helfen, endlich wach zu werden und aufzustehen, damit es nach vorne gehen kann, gen Osten. Von daher zu bekämpfen sind alle Konzeptionen, Ideen und geopolitischen Entwürfe, welche diesen Marsch verzögern oder bremsen könnten. (…)

Alle geopolitischen Vorstellungen sind zu bekämpfen, die von der Möglichkeit ausgehen, daß ein Staat oder ein Bündnis einiger europäischer Staaten auf Kosten von anderen Souveränität und Größe zu erreichen vermögen. Derartige geopolitische Ideen in einem Land regen zu ähnlichen in anderen Ländern an, was der Einheit Europas abträglich und im Interesse der Feinde des Imperium Europæum ist. Zum Ziel kann man sich heute nicht die Fülle der Souveränität eines Nationalstaates stellen, denn solch ein Staat, der seine Blüte von der zweiten Hälfte des 19. bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erreichte, ist faktisch schon von den imperialen Kräften überwunden worden. Zum Ziel kann man sich die Erreichung von Machtgröße und Souveränität nur durch Schaffung eines Imperium Europæum setzen. Mit allen gescheiten und erfolgversprechenden Mitteln soll man die politische, wirtschaftliche und militärische Einigung Europas unterstützen und vorantreiben. Das eigentliche Ziel der Einigung Europas, nämlich das Imperium Europæum, aus den Augen nie verlierend, soll man die andauernden Einigungsprozesse stets dergestalt analysieren, verbessern, reformieren, verändern und überwinden, daß sie am besten dem Imperium Europæum dienen können.

Man soll sich der Tatsache bewußt sein, daß das Imperium Europæum ein Prozeß ist, der Schritt für Schritt, von einer politischen, militärischen oder ökonomischen Entscheidung zur nächsten verläuft, ein sich über mehrere nacheinander ablösenden Stufen, Phasen, Abschnitte und Zwischenzustände hinziehender Prozeß, der sich vorläufig im Rahmen des Imperium Americanum abspielt. Von daher ist auch das plumpe Gebilde der Europäischen Union, abgesehen von der ihr zugrunde liegenden Ideologie, ihrer rechtlichen, ökonomischen und politischen Konzeptionen, trotzdem eine Form der Einigung Europas, und somit – wie einst das Imperium Germanicum – ein Erfüllungsinstrument des Imperium Europæum.

Viel wichtiger als die in Brüssel behandelten aktuellen Fragen bezüglich Milch und Tomaten sind die grundsätzlichen politischen Fragen: Europäisierung der Atomwaffen, Bildung von europäischen Militäreinheiten (Eurokorps), Ausarbeitung einer richtigen politisch-staatlichen Konzeption des Vereinigten Europas, eine Entdemokratisierung und Entbürokratisierung der europäischen Institutionen und Prozeduren, denn auf dem demokratischen Wege über Referenden, Megaparlamente, Wahlen kommt keine Einigung Europas und kein Aufbau des Imperium Europæum zustande (auf demokratischem Wege kann lediglich ein Niedergang eines multinationalen Imperiums zustande kommen). Stärkung der Rolle von Staatsoberhäuptern (Präsidenten) in den einzelnen europäischen Provinzen und Umgestaltung dieser in „absolutistische Republiken“, Berufung eines Organs – etwa eines Europäischen Ständerates – aus Präsidenten der Provinzen und Schaffung eines Präsidentenamtes von Europa, Stärkung der gemeinsamen Währung, Bildung von europäischen Sonderdiensten – Spionage und Gegenspionage – und Europol.

Es sind Vorbereitungen zu treffen, eine Hauptstadt im Zentrum des Vereinigten Europas zu installieren. Wegen der Lage und seiner imperialen Tradition einer Vielvölkermonarchie könnte Wien die geeignete Stadt sein. Europaweit soll in allen Schulen – von der Grundschule bis in die Universität – Pflichtunterricht der spanischen Sprache eingeführt werden, die aus vielen Gründen am geeignetsten für eine „lingua europaea“ ist. Der Unterricht von Altgriechisch und Latein ist in den elitären Gymnasien und den Universitäten erneut zu verstärken. Die Masseneinwanderung der Immigranten von außerhalb Europas ist zu unterbinden, denn in der Zukunft könnten sie von Feinden des Imperium Europæum als Fünfte Kolonne eingesetzt werden. Die Immigranten, die sich in Europa schon niedergelassen haben, müssen kontrolliert, infiltriert und organisiert werden, um unter ihnen Agenten, Spione, Diversanten, Einflußagenten für besondere Aufgaben in den Gebieten des Feindes zu werben. Aus ihnen werden sich auch „Kollaborateure“, zukünftige Stellvertreter in außereuropäischen Provinzen des Imperiums und Anwärter für die Elite des Imperiums rekrutieren. Aus den Immigranten verschiedener Rassen werden in der Zukunft auch Sondereinheiten innerhalb der europäischen imperialen Streitkräfte gebildet, für besondere Aufgaben in den Gebieten, aus denen sie stammen.

Die große europäische Versöhnung ist zu unterstützen, die langsam vernarbenden Wunden, die sich Europäer gegenseitig in dem dreißigjährigen europäischen Bürgerkrieg (1914-1945) zugefügt hatten, darf man nicht mehr aufreißen. Jene kriegerischen Auseinandersetzungen haben das Imperium Europæum um seine geopolitische Existenz gebracht, seinen europäischen Geist in die tiefe Defensive gedrängt, es war eine schreckliche Tragödie für Europa und eine Niederlage für alle europäischen Nationen, ohne Ausnahme. Da dieser Bürgerkrieg im Rahmen des Krieges der Imperien stattgefunden hat, traten Europäer verschiedener Nationen und Völker in die imperialen Armeen ein, oder sie wurden eingezogen, weil die souveränen Nationalstaaten und deren Streitkräfte aufgehört hatten zu bestehen.

In der Armee des Imperium Germanicum gab es europäische Krieger, die für das Imperium Europæum auf der geopolitischen wie auch der geistigen Ebene kämpften, aber auch andere, die für das Imperium Europæum auf der geopolitischen Ebene aber gegen seinen Geist kämpften. Es gab europäische Krieger vom europäischen Geist erfüllt, die in die imperialen Ost- und Westarmeen eingezogen wurden, somit auf der geopolitischen Ebene gezwungen wurden, gegen das Imperium Europæum zu kämpfen und Herrschaft von Ideologien zu festigen, die im Widerspruch zum europäischen Geist stehen. Es gab auch Krieger, die in den imperialen Ost- und Westarmeen kämpften und dabei glaubten, für das Imperium Europæum in seiner geopolitischen zerstückelten Form der souveränen Nationalstaaten zu fechten. Es war jedoch ein nutzloser Kampf, da auch diese geopolitische Existenzform des Imperium Europæum von den siegreichen Imperien aufgelöst wurde. Alle europäische Krieger jenes Krieges waren „verratene Söhne Europas“. Die siegreichen Imperien waren daran interessiert, daß der tragische Knoten nie entwirrt werde und die europäischen Krieger auch nach dem Kriegsende weiterhin gegeneinander kämpfen. Sie wollten die Krieger des Imperium Germanicum in einem Höchstmaße kriminalisieren und die eigenen Krieger hingegen verklären. Dadurch ist jeder Versuch einer geopolitischen und geostrategischen Verwirklichung des Impe-rium Europæum kriminalisiert worden. Die Siegerimperien wollten erreichen, daß die Europäer das Imperium Europæum mit dem Imperium Germanicum sowohl auf geopolitischer als auch auf geistiger Ebene gleichsetzen und die beiden nicht mehr auseinanderhalten könnten. Die Europäer sollten der Meinung sein, daß jegliche Bestrebung, das Imperium Europæum auf der geopolitischen Ebene wiederaufzurichten, unweigerlich auf der geistigen Ebene den politischen, intellektuellen, kulturellen und anderen Ideen, Konzepten und Vorgehensweisen des Imperium Germanicum gleichzusetzen wäre. Dazu besteht aber selbstverständlich keine Notwendigkeit und es liegt im Interesse des Imperium Europæum, dieses tragische Geschichtskapitel Europas abzuschließen.

Alle europäischen Krieger soll man in einem großen symbolischen Europäischen Tal-der-Gefallenen beisetzen. Dort sollen ihre Ruhe diejenigen finden, die gegeneinander zu kämpfen und zu töten hatten, während die geopolitische Gestalt des Imperium Europæum, den Hieben der feindlichen Imperien ausgeliefert, niedersank. Sie sollen ruhen, endlich in Eintracht, sie sollen aufhören, sogar nach dem Tode gegeneinander zu kämpfen. Würden sie nicht aufhören, dann würde das Imperium Europæum als geopolitisches Wesen und das Imperium Europæum als geistiges Wesen auch weiterhin miteinander streiten. Ehre gebührt den Helden, unabhängig davon, für welche Sache sie gefallen sind. Auf die Kriegergräber soll man nicht spucken; wer auf Kriegergräber dieser oder jener Armee spuckt, der spuckt im allgemeinen auch auf die Krieger; deshalb darf man im Imperium Europæum nicht mal auf die Gräber der nichteuropäischen Krieger der imperialen Ost- und Westarmee speien.

Die Krieger der Ost- und Westarmee ruhen in der europäischen Erde, und so wird es bleiben. (Entfernt werden jedoch alle Denkmäler und andere Zeugnisse der Ehrung für die imperialen „Befreier“-Armeen aus Ost und West.) Wer auf die Gräber spuckt, statt den Heroismus- und Aufopferungskult zu pflegen, der reißt noch ein halbes Jahrhundert danach die alten Wunden und den Zwiespalt unter den Europäern auf, kurz gesagt, er schadet dem Imperium Europæum. Heute soll man sich über die alten Frontgräben heben, um eine einzige, gemeinsame europäische Front zu schaffen, eine Kampffront für das Imperium Europæum. Autoren der imperialen Chroniken werden eines Tages die Geschichte des 20. Jahrhunderts und seiner Kriege vom Gesichtspunkt des Imperium Europæum aus schreiben und darin die tragischen Verknotung und die verworrenen Schicksale der europäischen Krieger aufzeigen und die unklaren Entscheidungen, Taten und Vergehen aufdecken. Es wird eine andere Geschichte als die gemeinsam von den Hofhistorikern und imperialen Chronikschreibern des Imperium Americanum und Imperium Sovieticum geschriebene aufgezeichnet. Es wird eine wahre Geschichte, denn im Imperium Europæum dürfen die Hofhistoriker und imperialen Chronikschreiber nur wahre Geschichte niederschreiben, eine Geschichte. die seine Geopolitik und seinen Geist, seine Werte und seine Traditionen berücksichtigt.

Um das Imperium Europæum zu schaffen, ist eine europäische Verständigung vonnöten. Sie wird aber nicht eintreten, solange der virtuelle Krieg des Imperium Americanum und des Imperium Sovieticum gegen das ehemalige Imperium Germanicum, in den die Europäer hineingezogen werden, andauem wird. Denn über 50 Jahre hindurch führten die siegreichen Imperien auf der propagandistischen und ideologischen Ebene einen Krieg gegen das Imperium Germanicum, das sie einst erdrückt, zerschlagen und geteilt hatten. Sie führten diesen Krieg gegen das Phantom des Imperium Germanicum, um den europäischen Untertanen im eigenen Machtbereich stets zu zeigen, daß sie die Sieger seien. Im Fernsehen, in Büchern und der Presse triumphierten unablässig die siegreichen Imperien über das virtuelle Imperium Germanicum. Um diesen alltäglichen Triumph zu inszenieren, haben die siegreichen Imperien den durch Selbstmord dahingeschiedenen Imperator des Imperium Germanicum quasi am Leben erhalten, mehr noch, sie haben seiner Person einen spezifischen Kult angedeihen lassen und den Eindruck erweckt, er sei nicht tot, sondern heimlich versteckt eines günstigen Augenblickes harrend, seine zerstreuten Divisionen um sich zu scharren und erneut gegen die Ost- und Westimperien zu stürmen. Dies erklärt auch, weshalb die siegreichen Imperien in den angeschlossenen Provinzen wachsam zu bleiben hatten.

Der Imperator des Imperium Germanicum erscheint ständig in Dokumentarfilmen, auf Fotografien und Bildern. Die Zahl der ihm, seinen Ideen und Konzeptionen gewidmeten Bücher und Artikel schwillt von Jahr zu Jahr, so daß heute von hunderttausenden auszugehen sein dürfte. Somit werden diese Vorstellungen und Ideen weiter belebt, was wiederum verursacht, daß, obwohl sie mit dem Tod des Imperators und der Niederlage des völkisch-rassischen Imperium Germanicum niedergingen, weiter „ewig am Leben“ bleiben. Aus dem Imperator des Imperium Germanicum machte man einen Giganten, einen schrecklichen Golem oder einen riesenhaften Dschin, der er nie war, um zu zeigen, wie groß der Verdienst derer war, die ihn zerschmettert hatten: Er war doch ein leibhaftiger Teufel, Führer dämonischer Kräfte des Bösen, sie wiederum führten die „Heils-Armeen“ an und vermochten ihn zu bezwingen, weil sie reines Herzens waren und lautere Gedanken hatten. Sein Name tauchte millionenfach in der Presse, in wissenschaftlichen Abhandlungen und Auseinandersetzungen auf. Seine Taten werden gründlich in den Schulbüchern besprochen. Er ist in Comics, Hochglanzzeitschriften und der Massenkultur präsent. Dank dem Fernsehen und der Boulevardpresse wurde er bekannter als zu Lebzeiten. Es gibt wohl keinen Menschen auf der Welt, der seinen charakteristischen Schnurrbart und Scheitel nicht zu erkennen versteht. Der Kult dieses Imperators übertrifft tausendfach den Kult der über ihn siegreichen Imperatoren. Er ist seit über halbem Jahrhundert nicht mehr am Leben, sein Kult gedeiht aber bestens.Vom Gesichtspunkt des Imperium Europæum aus ist dieser Kult völlig überflüssig. Die Hofhistoriker und Autoren der imperialen Chronik des Imperium Europæum werden sich mit Sicherheit eines Tages der Person des Imperators des Imperium Germanicum annehmen, seine Vorstellungen und Ideen ausleuchten und durchdenken; aber nicht vom Gesichtspunkt der siegreichen Imperien, sondern vom Gesichtspunkt der Geopolitik und des Geistes des Imperium Europæum aus, so wie vom Standpunkt des Imperium Europæum aus seine ehemaligen Herrscher und Kriegsführer gewürdigt werden.

Der seit einem halben Jahrhundert breitgetretene Kult des Imperators des Imperium Germanicum und die unablässige Verbreitung seiner „ewig jungen“ Vorstellungen und Ideen sind überflüssig und schädlich für das Imperium Europæum, denn sowohl seine Person wie auch seine Vorstellungen und Ideen gehören einer abgeschlossenen Geschichtsepoche an, so wie die geglaubten Vorstellungen und realisierten Ideen seiner imperialen Feinde und Widersacher. Es ist höchste Zeit, daß die Herrschaft des virtuellen Phantoms, des seit einem halben Jahrhundert toten Imperators des Imperium Germanicum über die Gemütern der Europäer ein Ende nimmt. Seine Vorstellungen, Ideen und sein Wirken bieten keinen Bezugspunkt für Pläne, Projekte, Konzepte und Ideen, die wichtig sind für Europas Zukunft.

Das 20. Jahrhundert soll endlich endgültig zu Ende gehen, die Zeitachse soll sich bis zum Ende drehen, damit das, was der Geschichte angehört, wirklich auch Geschichte wird. Es ist von großer Bedeutung für das Imperium Europæum, denn es betrifft im großem Maße eine Nation, die das Imperium Germanicum geschaffen hatte, und ohne Beteiligung dieser Großen Nation, ohne ihre zentral gelegenen Provinzen, ohne ihre Wirtschaftskraft und Kultur, ohne ihre Begabungen in der Organisation, der Wissenschaft und der Technik, ohne ihre neuen Eliten, die eine normale Beziehung zur eigenen Geschichte pflegen, kann das Imperium Europæum nicht existieren.

Von daher ist das Imperium Europæum daran interessiert, daß die Geschichte des Imperium Germanicum wirklich ihr Ende findet, denn diese Geschichte künstlich am Leben zu erhalten, heißt tatsächlich Betonmauern auf dem Wege zum Imperium Europæum zu errichten. Der unablässig andauernde Kampf mit dem Phantom des Imperium Germanicum, an dem sich – leider – auch manch naiver Europäer beteiligt, das Hängen am propagandistischen Tropf, der Kult des Imperators des Imperium Germanicum, dienen lediglich als Werkzeuge, die Einheit Europas zu zerschlagen; sie ahmen den Zustand von vor einem halben Jahrhundert nach, um dadurch die geopolitische Niederlage des Imperium Europæum zu fixieren. Man soll mit der Kultausübung des Imperators des Imperium Germanicum schleunigst aufhören wie auch mit seinen künstlich am Leben gehaltenen Konzeptionen und Ideen. Erst dann wird die Geschichte des Imperium Germanicum auf der realen Ebene wirklich bewältigt und ihr Ende finden.

Europa braucht eine Politik des „Schlußstrichs“, eine Politik des „großen Vergessens“, um ein für alle Mal die fruchtlose moralisch-sentimentale Abrechnung mit der Vergangenheit abzuschließen, die unter Leitung der Feinde des Imperium Europæum geführt wird. Man verabreicht es Europäern ähnlich wie bei der Beschäftigungstherapie schwerbehinderten Kinder, indem man ihnen Knetmasse zum Basteln in die Hände drückt. Die Europäer sollen Schluß machen, jene Knetmasse zu gestalten und zum Aufbau des Imperium Europæum über-gehen. Die seit knapp einhundert Jahren andauernde Zeit der Smuta soll überwunden werden.

Nach dem Sieg über das Imperium Germanicum bedeckten die siegreichen Imperien die angeschlossenen europäischen Provinzen mit einem Netz von Denkmälern, Mahnmalen und Gedenkstätten. Sie haben eine ausgeprägte Sorgfalt darauf verwendet, daß man die Konzentrationslager, in denen die Sklaven des Imperium Germanicum gearbeitet haben und gestorben sind, erhält. Dieses geschah aus mehreren Gründen. Den Untertanen der angeschlossenen europäischen Provinzen sollte die Überzeugung eingeflößt werden, daß sie ein Sklavenschicksal zu erwarten gehabt hätten, wären sic nicht zu Untertanen der siegreichen Imperien geworden; diesen Imperien gebührt wiederum eine immerwährende Dankbarkeit für den „Segen der Schutzherrschaft“. An diesen Orten sollen die Europäer nicht so sehr der Opfer gedenken, als vielmehr vergessen, daß der Oberaufseher jener Lager, obwohl er Lageraufseher war, trotzdem auf der geostrategischen und geopolitischen Ebene Europa einend, gegen das Ostimperium stürmend, dem Westimperium den Zugang zu Europa vom Ozean her wehrend und in den Wüsten des Südens kämpfend die geopolitische Idee des Imperium Europæum realisierte; somit sollen sie das Imperium Europæum vergessen.

Es sind in Wirklichkeit Gedenkorte des Sieges des Ost- und Westimperiums, der geopolitischen Niederwerfung des Imperium Europæum. Es gibt keinen Anlaß, dieses Gedenken zu pflegen. Die siegreichen Imperien waren nie an einer wahrhaften Einheit Europas interessiert, deren Voraussetzung eine große europäische Einigung bildet, von daher wollten sie die Völker Europas für immer in zwei Kategorien spalten: in die Nachkommen der Sklaven und die Nachkommen der Sklavenaufseher, diesen Zwiespalt wiederum in den stets sichtbaren Denkmälern, Museen und den in Konzentrationslagern untergebrachten Gedenkstätten präsent machen. Von daher hat das Imperium Europæum kein Interesse daran, diese Konzentrationslager von Ewigkeit zu Ewigkeit als Machtsymbol der die europäischen Provinzen des Imperium Germanicum befreienden Imperien (um sie sich selbst einzuverleiben) zu erhalten.

Diese Konzentrationslager sind wie Denkmäler, die von den Siegesimperien noch einmal aufgerichtet werden, um zu zeigen, wer Herr in Europa ist. Von daher gibt es für sie in einem souveränen Imperium Europæum keinen Platz. Es kann auf eigenem Boden keine Toleranz gegenüber den Machtbekundungen der Feindimperien ausüben. Es kann keine Akzeptanz für diese Gedenkstellen zeigen, weil durch die Aufteilung der Europäer in Nachkommen der Sklaven und in Nachkommen der Sklavenaufseher eine europäische Spaltung aufrechterhalten wird. Im Imperium Europæum wird eine derartige Unterteilung als höchst schädlich angesehen. Das ständige Ermahnen der Nation, die das Imperium Germanicum schuf, unter ihren Vorfahren seien Sklavenaufseher gewesen und daß diese Tatsache eine nationale Kollektivschuld, ein unlösbares Kainsmal bilde, dieses Ermahnen ist ein Hetzen gegen dieses Volk, ist Verbreitung von Haß, ist Anstiftung zur Volksverhetzung.

Im Imperium Europæum gibt es keinen Platz für ein derartiges Hetzen, für Anstiften zur Volksverhetzung oder Haßverbreitung, denn das Imperium Europæum kann nur eine Gemeinschaft gleichberechtigter europäischer Völker sein, vereint mit brüderlichen Banden gemeinsamer Geschichte, aus der man vor allem dessen gedenkt, was gemeinsam bindet und was für das Vermehren von Macht und Herrlichkeit des Imperiums dienlich war. Die wahren, übertriebenen und angedichteten Schulden, Sünden und Verbrechen, von denen kein europäisches Volk frei ist, müssen der Vergessenheit anheimfallen, auf daß der Haß, der noch den Geist vieler Europäer zerfrißt, sterbe.

Im Imperium Europæum darf kein Volk ein anderes erniedrigen, es moralisch erpressen und niederhalten, denn so etwas ist eines Ehrenmannes und eines Europäers unwürdig, da es Europa mit Verachtung und Haß verseucht und Europa moralisch und geistig zerstört. Auch – laßt es uns noch ein Mal wiederholen – weil alternativ geschichtliche Spaltung gefestigt und Salz auf die nicht verheilten Wunden gestreut wird. Somit zerstört es die Einheit der Europäer, schiebt die Einigung Europas hinaus und beeinträchtigt die Ordnung des Imperium Europæum.

Die alten Konzentrationslager haben von dem europäischen Boden zu verschwinden, nicht nur weil sie als Machtsymbole der Feindimperien eine Beleidigung für die Majestät des souveränen Imperium Europæum darstellen und auch, weil sie die Einheit Europas aufreißen und Spaltung unter den Europäern stiften. Sie haben auch deswegen zu verschwinden, weil sie zugleich Erscheinung eines schädlichen und geistig lähmenden, perversen Opferkults sind, eines Kults, der den Grundsätzen der imperialen Pädagogik zuwiderläuft. Im Imperium Europæum stützt sich die imperiale Pädagogik auf den Kult von großen Imperatoren und Monarchen, Kriegern, Heroen, Helden und siegreichen Führern.

Nicht Sklaven und Opfer, sondern: Achill, Hektor, Maeve, Cu Chulainn, Beowulf, Siegfried, Lanzelot, Galahad, Leonidas, Roland, Zawisza Czarny, Alexander der Große, Julius Cäsar, Octavianus Augustus, Konstantin der Große, Karl der Große, Friedrich II. von Hohenstaufen, Maximilian I., Ladislaus Jagiello, Ulrich von Jungingen, Ludwig XIV., Hernán Cortés, Francis Drake, Karl IV. von Luxemburg, Elisabeth I., Joanne d’Arc, Johann III. Sobieski, Napoleon Bonaparte, Josef Pilsudski, Karl Dönitz, Stanislaw Maczek, Erich von Lewinski Manstein, Bemard L. Montgomery, Erwin Rommel, Franciszek Kleeberg, Leon Degrelle und vie¬le, viele andere Könige, Führer, Krieger und Helden, Männer und Frauen aus der Vergangenheit Europas, sie alle reihen sich ein unter die Gestalten, die den Kindern in Schulen des Imperium Europæum näher gebracht werden.

Über Sklaven und Opfer schweige man sich eher schamvoll aus, denn aus dem Gesichtspunkt der imperialen Pädagogik ist es nicht von Vorteil, daß die Untertanen des Imperiums über diese Geschichtsepisoden nachdenken, als Europäer Sklaven oder Opfer waren, denn die Bestimmung der Europäer ist es, zu herrschen und nicht, ein Sklave zu sein und wie ein Sklave zu sterben. Im Imperium Europæum lehrt man zu siegen, anzugreifen, zu schlagen, dem Feind Schläge und Verluste beizufügen, wie man zu herrschen und dem Imperium zu dienen hat, um dadurch seine Macht und seine Herrlichkeit zu vermehren und nicht, wie man zum Opfer wird und wie ein Sklave ums Leben gebracht wird.

Die ums Leben gekommenen Sklaven und andere Opfer, unabhängig davon, unter welchen Umständen dies geschah, sind im Imperium Europæum so wie alle anderen Gestorbenen dem Andenken der Familienangehörigen anvertraut. Ausgeschlossen sind sie vom Andenken in Rahmen der imperialen Pädagogik, in der von Bedeutung nur die siegreichen, triumphierenden oder unterliegenden, in einem heroischen Kampf gefallenen europäischen Krieger sind. Von daher mißt man im Imperium Europæum dem Märtyrertum keine Bedeutung bei. Keiner wetteifert hier mit anderen in dem Aufzählen der Opferzahl, lediglich mit der Zahl der für das Imperium gefallenen Helden und Krieger.

Im Imperium Europæum wird keiner von der Leidenschaft ergriffen, im Opferspielchen dabei zu sein; keiner setzt hier auf die Nummern im Lotto der Opfer, keiner will hier ein Millionär in der Opferbranche sein, keiner schlüpft hier in biedervoll-süßliche, unmännliche Posen und Gebärden, keiner stolziert hier wie ein Bettler mit seinen brandigen Wunden herum oder stilisiert sich zu einem Volk der Opfer, der ewig Verfolgten, Unterdrückten und Geschundenen. Von daher wird die europäische Jugend die Museen und Gedenkstätten, die man in den ehemaligen Konzentrationslagern eingerichtet hat, nicht besuchen, auch keine offiziellen Abordnungen der imperialen Machthaber des Imperium Europæum, denn diese Orte sind Zeugnisse der europäischen Tragödie, europäischer Schmach und europäischer Niederlage.

Der Stacheldraht wird dort von Jahr zu Jahr langsam vom Rost zernagt, Gräser und Kräuter werden den Boden der ehemaligen Konzentrationslager bedecken, Gebüsche und Bäume üppig wachsen, im Geäst Vögel ihre Nester bauen, Ziegen weiden, Eidechsen in der Sonne ruhen, Kinder Indianer oder Gendarm und Räuber oder Krieg spielen, Verliebte Spazierengehen und beim Sonnenuntergang dem Nachtigallengesang lauschen. Man wird dort kleine symbolische Friedhöfe und Gräber aufrichten, wohin die Nachkommen der Sklaven und Opfer kommen können, um ihrer Toten zu gedenken. Weil im Imperium Europæum der Ahnenkult gefördert und propagiert wird, werden kleine symbolische Friedhöfe und Gräber auch dort aufgerichtet, wo Soldaten der siegreichen Armeen beider Imperien Sklavenaufseher umgebracht haben. Deren Nachkommen darf man die Möglichkeit nicht nehmen, ihrer Toten zu gedenken und zu beweinen, denn im Imperium Europæum steht der Ahnenkult und das Andenken der Gestorbenen über der Frage, wer diese Ahnen und Toten waren. Es könnte sich ergeben, daß an den Gräbern Enkelkinder der Sklaven und Enkelkinder der Sklavenaufseher sich zusammenfinden, für alle Bestatteten beten, sich miteinander versöhnen und sich gegenseitig schwören alles zu unternehmen, auf daß kein einziger Untertan des Imperium jemals zu einem Sklaven oder einem Untertanen eines anderen Imperiums werde.

Gegen die Freigabe der Gedenkstätten in den ehemaligen Konzentrationslagern an die beruhigende Wirkung der Zeit könnten Vertreter jenes Volkes, das einst zahlreich Europa bewohnte und zur Zeit vor allem die metropolitane Provinz des Imperium Americanum oder den nach der Zerschlagung des Imperium Germanicum gegründeten Staat bewohnen, Protest erheben. Autoren ihrer nationalen Chroniken behaupten – was ihr gutes Recht ist –, daß in diesen Lagern besonders viele Sklaven aus ihrem Volk getötet wurden oder gestorben sind. Die Proteste dieses Volkes können jedoch von der Obrigkeit des Imperiums nicht berücksichtigt werden, denn sie wird souverän über die Formen der imperialen Pädagogik sowie über die gültige Geschichtslesart des Imperiums entscheiden. Selbstverständlich können die Vertreter jenes Volkes auf dem Gebiet der ehemaligen Konzentrationslager abgesonderte, eigene symbolische Friedhöfe und Gräber anlegen, um dort der Opfer aus dem eigenen Volk zu gedenken und zu beweinen, zu beten und nachzudenken. Die Machthaber des Imperiums werden von ihnen einzig verlangen, ihre Fahnen mit den Hoheitszeichen ihres Staates nicht zu entrollen, da über dem Gebiet des Imperiums nur sein Banner zu wehen hat.

4. Was ist das Imperium Europæum?

Das Imperium Europæum ist sowohl eine uralte Tradition, ein fernes Ziel, wie auch eine ewig andauernde Gegenwart. Es ist und geschieht schon hier und jetzt, denn es ist und geschieht allezeit. Das Imperium Europæum ist alles: eine geopolitische, geostrategische und geoimperiale Möglichkeit, die dahin strebt, sich in der eigenen Fülle zu verwirklichen; es ist eine Machtform, die durch ihre Schönheit und den unter den Feinden aufkommenden Schrecken alles überhöht, was jemals war; es ist ein seit Jahrtausenden andauernder unzerstörbarer Geist, ein Mythos, Symbol, Legende und Traum, es ist „das uns verzehrende Feuer, das wir im Winter der Welt daher tragen“; Europas Antwort auf die Herausforderungen des neuen Zeitalters, das neue und heute unbekannte technischen Möglichkeiten und Waffen formen wird, neue Instrumente der Herrschaft und der Macht, neue Hierarchien und neue Imperien.

Das Imperium Europæum ist eine metapolitische Idee, eine göttliche Flamme, die niemals erlischt, ab und zu jedoch kleiner wird, um anschließend erneut empor zu lodern, es ist ein in Blut getauchtes Licht, Heimat, Kampf, Gesang, Abenteuer und Kameradschaft der europäischen Krieger, die Tag und Nacht, ohne Unterlaß, seit Jahrhunderten diesen gleichen Heiligen Kampf austragen; es ist ein Großraum, dessen Grenzen die Kraft der Europäer setzt; es ist ein Anti-Babylon, der Heilige Gral, Garten der Hesperiden, die Avalon-Insel und geheimer Orden der Eisernen Krone, um den sich die „an der äugen wahrer glut“ gegenseitig erkennenden Neo-Ghibellinen scharen, Blaue Blume und Atompilz, romantische Melancholie einer sich an Fachwerkhäusern schlängelnden Gasse und das unbarmherzige Niedermachen des Feindes; es ist Schönheit, Klugheit und Fruchtbarkeit der europäischen Frauen und ein Blitz des Laser-Excaliburs, der schneidet, vierteilt und Eingeweide heraustrennt, bis das Geschrei von getöteten Feinden zum Himmel steigt und dampfende Bäche voll ihres Bluts die Erde bedecken; es ist ein beständiges Andauern und Proteussche Wechselhaftigkeit; „es ist das Vollkommene, das nur im Unvollkommenen erreicht wird“, heilige Hure; es ist ein dunkles Gestein, das von den Wellen umspült immer und immer wieder glänzend und sauber von der Meeresbrandung auftaucht und diese Meeresbrandung selbst; es ist ein geordnetes Pluriversum, eine freudige, vom Leben erfüllte, vielfarbige Anarchie und strenge Zucht, über die des Henkers Schwert wacht, es ist Anarchotyrannei, es ist eine Abstraktion, die von der Wirklichkeit geschwängerte Tatsachen erblicken läßt, es ist Müßiggang in der Sonne und eine konzentrierte Energie des Willens und der Tat, sanfte Musik alter Meister und Expansion, die keine Grenzen kennt, es ist ein Farbtupfer auf dem Flügel eines Schmetterlings und aggressive Kraft, verkörpert in Atom-U-Booten, es ist eine frohe Wanderung im Wald und die explosive Kraft der Interkontinentalraketen, es ist ein Dreiklang, der ständig aufs neue dem Chaos entsteigt, eine Dynamik, die sich selbst einholt und in eine waagerechte Acht aus Granit gerinnt, ein stilles Gebet an einer Feldkapelle mit der Figur der Geistlichen Rose und ein kehliger Ruf eines barbarischen Stoßtrupps, ein hieratischer Ernst von Hohenpriestern und Ausgelassenheit der Hofnarren, eine unbändige Wildheit und höchste Essenz des Geschmacks, es ist der Große Mittag, wenn die ganze Welt für eine nichtendenwollende Sekunde erstarrt, ein Reigentanz von kaiserlichen Bienen und Kontinenten, es ist der Fortschritt vom Samen bis zur Frucht und die ewige Wiederkehr dessen, was nie dem gleicht, was schon einmal gewesen ist, es ist ein Baum und der Wald zugleich, es ist eine jede Einzelheit hervorhebende Totalität, ein Labyrinth, das unerwartet zu einem bis zum Horizont führenden Weg wird, der zu einem neuen Labyrinth wird, es ist eine verwitterte, durch Jahrhunderte von uns restaurierte Inschrift auf einer Kolumne und ein Runenzeichen, zu dem die Kampfformation der Flugzeugjäger wird, es ist ein planetares, geoimperiales Roulette und ein Mosaik aus bunten Kristallen zum Spiel auf dem Grund eines Bergbaches ausgelegt, es ist „Voraussage der Vergangenheit“ und „Erinnern der Zukunft“, eine Coincidentia oppositorum: archaische Postmoderne und reaktionäre Avantgarde, technosophische Utopie und eisiger Zynismus, geistige Askese und ekstatische Trance, eine erhabene Mission und leidenschaftslose politische Kalkulation, eine permanente Konservative Revolution und ursprüngliche, nie vergehende Tradition.

Das Imperium Europæum – Hierarchie und Freiheit, Dienst und Herrschaft, Macht und Herrlichkeit, Empire gen Empyreum. Zugleich Inspiration für alle, „die eines Morgens ausziehen, fest in den Steigbügeln und mitten in die Sonne hinein, mit dem festen Glauben an sich und die Schatzkammern der Welt“.

Tomasz Gabiś

Aus dem Polnischen übersetzt von JK; dieser Aufsatz ist erschienen in „ Stańczyk“ nr 1 (34) 1999.



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